Einblicke

An dieser Stelle berichten die ehren- und hauptamtlichen MitarbeiterInnen unseres Hospizes über ihre persönlichen Erfahrungen, von besonderen Momenten, intensiven Begegnungen und bewegenden Abschieden. Außerdem werden Sie hier regelmäßig über die Tätigkeiten des Fördervereins Diakonie-Hospiz Wannsee e.V. informiert.

30.04.2018

Sterbende im Leben begleiten

Seit 15 Jahren nimmt das Diakonie-Hospiz Wannsee sterbende Menschen auf und begleitet sie in ihrer letzten Lebensphase.

Foto: Hannibal Hanschke

Seit 15 Jahren pflegen die Mitarbeitenden im Diakonie-Hospiz Wannsee die Gäste, lindern ihre Schmerzen, hören ihnen zu und sind einfach für sie da, geleitet von dem Ansatz, ,,Leben bis zuletzt“ gestalten zu helfen. Wie wertvoll diese Haltung ist, erlebte das Hospizteam in diesem Winter wieder einmal besonders intensiv. Der größte Wunsch eines Gastes war es, trotz schwerer Krankheit die Hochzeit seines Sohnes noch erleben zu dürfen.

Die Hospizleitung und die Angehörigen fragten den Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes für  den Krankentransport vom Hospiz zum Standesamt an. Am 15. Dezember holten zwei ehrenamtliche Sanitäter den Mann in Wannsee ab und brachten ihn zur Trauung nach Teltow. Der Vater, das Brautpaar und die Familie waren überglücklich, das Team im Hospiz tief bewegt.

Mit einem einfacher zu erfüllenden Wunsch begann die Arbeit des stationären Hospizes einst. Nach sechs Jahren ambulanter Hospizarbeit nahm das Diakonie-Hospiz Wannsee am 13. Januar 2003 seinen ersten stationären Gast auf, eine Fleischerin mit Speiseröhrenkrebs. Geschäftsführerin Angelika Behm erinnert sich: „Sie wollte unbedingt noch einmal Salami schmecken. Also schnitten ihr unsere Pflegekräfte eine Scheibe Salami in winzige Stückchen, die sie mit großem Genuss kaute und schmeckte, um sie dann wieder auszuspucken. Sie hat so gestrahlt vor Freude!“

der Wünsche, die das Team erfüllen konnte. Angefangen von Ayurvedabehandlungen, über Kunstkurse mit einer Kunsttherapeutin und Konzerte im Wohnzimmer bis hin zu Pony- und Hundebesuchen am Bett der Gäste, bleibt bis heute nichts unversucht, um letzte Sehnsüchte zu erfüllen und das Wohlbefinden der Gäste zu steigern.

„Dinge, zu denen unsere Gäste sich nicht mehr selbst aufmachen können, versuchen wir ihnen bei
uns zugänglich zu machen.“ (Angelika Behm)

Auch viele der regelmäßigen Angebote gehen auf Wünsche von Gästen zurück - wie den, einmal noch
den Geruch eines Pferdes zu riechen und sein Fell zu streicheln. Inzwischen kommt die Ponystute „13“ seit über einem Jahr jeden Freitagnachmittag aus Brandenburg zu Besuch. An einem Nachmittag jedes Jahr im Advent verwandelt sich das Hospiz in einen Weihnachtsmarkt. Und an Heilig Abend versammeln sich alle Gäste im festlich geschmückten Wohnzimmer zu einem Festmahl und Musik. Wer nicht aufstehen kann, wird im Bett in die gute Stube gerollt. Alle dürfen dabei sein.

„Wir können unseren Gästen nicht abnehmen, sich mit Krankheit und dem Abschied vom Leben auseinan - derzusetzen“, sagt Angelika Behm. „Aber wir begleiten sie dabei, ihr Leben bis zuletzt zu gestalten.“ Ein Kreis von Ehrenamtlichen unterstützt dieses Anliegen. Manche engagieren sich nicht nur im Förderverein, sondern lassen sich in einem einjährigen Kurs zu Sterbebegleitern ausbilden. „Die Ehrenamtlichen bringen Alltag und Normalität ins Hospiz“, zitiert die Geschäftsführerin den Palliativmediziner Johann-Christoph Student, einen Pionier der Hospizbewegung. ,,Viele Menschen sind allein im Alter. Was früher die Familie und die Nachbarschaft übernahmen, bringen die Sterbebegleiter jetzt ein“, so Angelika Behm. Sie verschenken das Wertvollste, das sie haben: ihre Zeit und Aufmerksamkeit.

Dr. Jenny Jörgensen
Kommunikationsmanagerin Presse,
Immanuel Diakonie

Aus dem Freundesbrief April 2018 des Fördervereins Diakonie-Hospiz Wannsee e.V.

 
 
 
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