Nachrichten-Archiv

03.11.2010

Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV) in Berlin

Seit dem 1. Juli 2010 gibt es in Berlin das neue Versorgungsangebot der Spezialisierten Ambulanten Palliatvversorgung (SAPV).
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Nach fast zweijährigen Verhandlungen haben die Berliner Krankenkassen, der "Home Care Berlin e.V." und die Kassenärztliche Vereinigung Berlin (KV) einen Vertrag geschlossen, der die umfassende palliative Versorgung schwerstkranker Menschen in ihrem häuslichen Wohnumfeld oder in geeigneten Einrichtungen sicherstellen soll. Seit 1992 wurden unheilbar an Krebs oder HIV erkrankte Menschen in Berlin von Home Care Ärzten palliativmedizinisch betreut. Diese Versorgung hatte das Ziel, unheilbar erkrankten Menschen in der letzen Lebensphase eine möglichst hohe Lebensqualität zu erhalten. Die 30 Berliner Home Care Ärzte versorgten bis zu 3000 Patienten im Jahr.


2007 wurden die Krankenkassen vom Gesetzgeber bauftragt, Versorgungsstrukturen für die bessere Betreuung am Lebensende aufzubauen. Hierzu hat er Richtlinien erarbeiten lassen, die dazu führen sollen, dass die Kranken eingebunden werden in ein breit gefächertes multiprofessionelles Netz aus Palliativärzten, Haus- und Fachärzten, Palliativpflegekraften, Seelsorgern, Psychologen, Physiotherapeuten und Ambulanten Hospizbetreuern und weiteren an der Versorgung zu beteiligenden Helfern. ln Berlin konnte auf die gewachsenen Strukturen der Home Care Versorgung aufgebaut werden. Konnten bisher von den Home Care Ärzten nur Krebspatienten und HIV-Kranke betreut werden, sind nun auch Menschen mit anderen unheilbaren Erkrankungen in die Versorgung miteinbezogen.

Nun hat jeder gesetzlich Krankenversicherte, der nicht mehr geheilt werden kann, unter ausgeprägten Symptomen leidet und nur noch eine begrenzte Lebenserwartung hat, einen rechtlichen Anspruch auf SAPV, die ihm ein menschenwürdiges, selbst bestimmtes Leben in seiner vertrauten Umgebung bis zuletzt ermöglichen soll. Während in den meisten anderen Bundesländern zur Umsetzung der SAPV so genannte Palliativ Care Teams gebildet worden sind, wird in Berlin die Versorgung weiterhin durch die Palliativärzte koordiniert und sichergestellt, die ihre gewachsenen Vernetzungen aus den Zeiten von Home Care für die Patientenbetreuung nutzen und Kooperationen schließen mit Versorgern aus anderen Professionen.

Palliativarzt oder spezialisierter Pflegedienst

Momentan gibt es in Berlin ungefähr 50 zugelassene Palliativärzte, von denen etwa 25 die Arbeit in der häuslichen Umgebung des Patienten wahrnehmen. Der SAPV-Arzt muss für seine Zulassung durch die KV Berlin einige Voraussetzungen und Qualifikationen nachweisen: Zusatzbezeichnung Palliativmedizin, Nachweis von praktischer Erfahrung in der Versorgung Sterbender, regelmäßige Fortbildung und 24-Stunden-Ruf-Bereitschaft. Ähnlich ist es bei den Pflegediensten, die bei entsprechender Qualifikation eine Zulassung bekommen und damit auch eine bessere Vergütung für ihre Arbeit. Zurzeit gibt es 16 spezialisierte Pflegedienste in der Palliatvversorgung. Nicht spezialisierte Pflegedienste sind aber auch weiterhin in der Versorgung tätig, der Patient hat nach wie vor das Recht, sich seinen Pflegedienst auszusuchen.

Gesetzlich vorgeschrieben ist auch, dass weitere an der Palliativversorgung Beteiligte in das Netzwerk eingebunden werden: Die Haus- und Fachärzte, die Ambulanten Hospizdienste, Physiotherapeuten, die Seelsorge, psychologische Hilfen sind auch Teil des Versorgungsnetzes. Während eine Home Care Versorgung bisher alleine auf der Entscheidung des betreuenden Arztes beruhte, muss jetzt der Patient für die SAPV Kriterien erfüllen und es muss ein Antrag auf SAPV an die Krankenkasse gestellt werden. Diese Anträge für den Patienten werden vom betreuenden Hausarzt, einem Krankenhausarzt oder auch vom Palliativarzt gestellt, von den Kassen geprüft und bisher in Berlin erfreulicherweise meistens auch bewilligt.

Versorgungsangebote durch Hospize wachsen

Die Versorgung der Patienten erfolgt in den letzen Jahren zunehmend auch in den Berliner Hospizen, die gewachsene Zahl an Hospizbetten hat dazu geführt, dass neben der häuslichen Versorgung der schwerstkranken Menschen eine große Zahl stationär versorgt werden kann. Auch in den Hospizen sind die SAPV-Ärzte für die medizinische Betreuung tätig. ln den Pflegeheimen ist die SAPV auch möglich und wird dort auch durchgeführt. Es ist erfreulich, dass mit Ausnahme von einigen wenigen Betriebskrankenkassen, alle Berliner Krankenkassen dem SAPV-Vertrag beigetreten sind. So kann eine umfassende Versorgung sichergestellt werden.

Sicherlich muss der Vertrag auf seine Tauglichkeit überprüft werden und dies ist auch vorgesehen. Schon jetzt stellt sich heraus, dass es in der Praxis einige Probleme gibt, die gelöst werden müssen. So ist der bürokratische Aufwand stark gestiegen, die Zeit, die nötig ist um ihn zu bewältigen, fehlt bei der Patientenbetreuung. Die Kommunikation zwischen den einzelnen an der Versorgung Beteiligten, die Vernetzung zwischen den stationären und ambulanten Anbietern muss verbessert werden. Vor allem muss die Allgemeine Ambulante Palliativversorgung aufgebaut werden.

Bisher fallen Schwerstkranke durch die Maschen des Netzes, da sie noch nicht die Kriterien einer SAPV erfüllen, dennoch so schwer erkrankt sind, dass sie palliative Versorgung benötigen. Bei sicherlich steigenden Patientenzahlen muss für interessierte Ärzte und Pflegedienste der Zugang zur Aus- und Weiterbildung in der Palliativmedizin erleichtert werden, sonst ist absehbar, dass die Aufgaben nicht mehr bewältigt werden können.

Die Einführung der SAPV in Berlin ist sicher ein guter Schritt in die Richtung einer umfassenden Versorgung der Patienten an ihrem Lebensende. Es werden weitere Schritte nötig sein um die Situation der Berliner Palliativpatienten zu verbessern.

Michael Friedmann

SAPV-Arzt und 2. Vorstandsvorsitzender Home Care Berlin e.V.

Aus dem Freundesbrief November 2010 des Fördervereins Diakonie-Hospiz Wannsee e.V.

Den vollständigen Freundesbrief November 2010 können Sie hier herunterladen.

 
 
 
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